Die Politik feiert sich für eine neue Regelung, die am 31.07.2026 in Deutschland in Kraft getreten ist und mit der eine EU-Richtlinie aus 2024 vollständig umgesetzt wurde.
Beispielhaft dieser grüne Kasperkopp.
Kurzfassung: der Bürger hat jetzt ein Recht auf Reparatur!
Nicht mehr nur gegenüber dem Händler während der Garantiezeit, sondern auch danach gegenüber dem Hersteller.
Na das ist doch toll. Recht auf Reparatur! Das hat es noch gebraucht im Rund-um-Sorglos-Staat.
Da wird der Bürger wieder beschützt, wo es gar keinen Schutz braucht. Und bestimmt ist der Schutz der Bürger wieder mal nur vorgeschoben und es geht eigentlich um andere Dinge. Ressourcen sparen, Klimagedöns, blablabla... Tatsächlich verbirgt sich hinter der moralischen Fassade eine neue ökonomische Belastung aller. Was dem Bürger als Segen und neues Recht verkauft wird, entpuppt sich als Preistreiberei und Innovationsbremse und eine Ausweitung der Bürokratie, die sich dann vor allem die großen Unternehmen leisten können.
Konkret geht es um elektronische Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke, Wasserkocher usw. sowie für Kleingeräte wie Mobiltelefone, Computer, Fernseher usw.
Die Hersteller sind jetzt gezwungen, für 7-10 Jahre (je nach Produkt) nach Verkaufstopp eines Produktes Ersatzteile in solchem Umfang vorzuhalten, daß ein Kunde sein altes Gerät innerhalb dieser Zeit reparieren lassen kann.
Zusätzlich müssen die Geräte auch so konstruiert sein, daß man Einzelteile reparieren kann.
Was kann da schon schiefgehen?
Nicht viel, außer daß alles teurer wird. Die Hersteller müssen jetzt nämlich eine immense Lagerhaltung aufbauen, bei der sie quasi "ins Blaue hinein" Ersatzteile vorhalten müssen, von denen sie nicht wissen, ob sie jemals benötigt werden. Die Ersatzteile müssen produziert, gelagert und verteilt werden für den Fall, daß mal irgendwo Kunde X den Einschalter seines 40 Euro-Rasierers reparieren lassen will.
Aber natürlich dürfen die Preise für die Ersatzteile nicht so teuer sein, daß eine Reparatur ökonomisch keinen Sinn macht. Als Nachweis dafür müssen die Hersteller die Preise für jedes mögliche Ersatzteil im Netz veröffentlichen.
Das erfordert erst einmal einen hohen bürokratischen Aufwand, den vor allem kleinere Hersteller kaum leisten können. Allein dieser Aufwand erhöht die Kosten des Unternehmens. Und da haben sie noch kein einziges Ersatzteil verkauft.
Und da die Ersatzteile nicht "zu teuer" werden dürfen, werden eben die Preise für Neuprodukte steigen.
Die Kosten und Ressourcen, die für alte Ersatzteile aufgewendet und verbraucht werden müssen, stehen dann auch nicht für neue Produkte zur Verfügung, die technologisch besser und sparsamer oder komfortabler sind.
Hersteller könnten auch die Produktzyklen verkürzen, also in immer kürzeren Abständen neue Produkte auf den Markt bringen, die dem Kunden vielleicht besser gefallen und er dann ein neues Produkt kauft, auch wenn sein altes Gerät noch funktioniert. Neue Produkte treffen eben immer auf einen Kreis interessierter Käufer. Kürzere Produktzyklen bedeuten aber geringere Stückzahlen, auf die die Entwicklungskosten der Produkte verteilt werden können, das heißt, daß die Stückkosten pro Gerät höher sind.
Die "weiße Ware" oder "No Name-Produkte" oder einfach günstig hergestellte Produkte zu niedrigen Preisen könnten teilweise verschwinden, was die unteren Einkommensschichten belasten wird. Genau diesen Effekt sehen wir gerade im Automobilbau. Die beliebten, preiswerten und sparsamen Kleinst- und Kleinwagen verschwinden nach und nach vom Markt, weil die Vorschriften für Umwelt, Vernetzung, Sicherheits- und Assistenzsysteme so umfangreich geworden sind, daß sich der Bau dieser kleinen Autos nicht mehr lohnt.
Die relativ neue und wachsende Branche der Gebrauchthändler könnte zunächst auch unter den neuen Vorschriften leiden. Es gibt ja schon eine Reihe von Anbietern, die sogenannte "refurbished", also generalüberholte Geräte anbieten, vor allem Mobiltelefone und Laptops, Tablets usw. Ich habe mir mein letztes "neues" iPhone auch über so einen Online-Händler geholt und werde das wohl künftig weiter so machen. Wenn es noch geht.
Sollten sich jetzt aber tatsächlich viele Kunden für eine Reparatur entscheiden, dann fehlt diesen Händlern der Input, also der Zustrom an gebrauchten Geräten. Die Händler kaufen ja diese Geräte bisher an, überarbeiten sie und verkaufen sie wieder. Diese Kette wäre erst einmal unterbrochen oder geschwächt.
Auch die Recycling-Branche, die sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt und stetig weiter verbessert hat, könnte ein Leidtragender sein. Auch hier fehlt erst einmal der Zustrom an zu recycelnden Wertstoffen. Und das, wo die Politik die Bedeutung von Recycling in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer so hervorgehoben und natürlich mit entsprechenden Richtlinien regulatorisch eingefordert hat. Inklusive des damit verbundenen bürokratischen Aufwands.
Das wäre - politisch typisch - paradox. Denn in vielen Fällen sind recycelte Rohstoffe günstiger als neu gewonnene/abgebaute Rohstoffe zu Weltmarktpreisen, die auch noch um die halbe Welt transportiert werden müssen.
Die Hersteller müssten dann aber letztere statt der Recycling-Ware kaufen, was auch wieder zu höheren Preisen führt.
Und am Ende liegen dann eventuell Millionen von Metall- oder Plastikteilchen irgendwo in Lagerhäusern rum und werden doch nicht verkauft und werden dann verschrottet. Was für eine Ressourcenverschwendung.
Vom Eingriff in die technologischen Prozesse mal ganz abgesehen. Denn die Bevorratung von Einzelteilen ist noch das kleinere Problem gegenüber der Vorschrift, die Produkte besser reparierbar zu machen.
Komponenten aus mehreren Bauteilen, die miteinander fest verbunden sind, und kostengünstig in großen Mengen hergestellt werden können, müssten dann konstruktiv anders aussehen, da man die Einzelkomponenten im Zweifelsfall ja reparieren lassen muss.
Nun ist es ja nicht so, daß die Hersteller bis zum 31.07.2026 gewartet haben, bis das Gesetz in Kraft getreten ist und nun erst langsam anfangen, ihre Prozesse umzustellen. Nein, sie haben das schon seit ein paar Jahren getan in Vorbereitung auf das Gesetz.
Und tatsächlich haben Untersuchungen, zum Beispiel vom IFH Köln gezeigt, daß die Preise für Neuprodukte und Ersatzteile gestiegen sind und weiter steigen könnten. Die Logik des Marktes spricht jedenfalls auch dafür.
Und neben den erforderlichen Investitionen in Lager- und Logistik-Infrastruktur sowie Änderung der Produktionsprozesse, kommen noch die Kosten für die erweiterte Bürokratie hinzu. Es gibt neue EU-Nachweispflichten, ein neues standardisiertes EU-Formular für Kostenvoranschläge (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... ein EU-weites Formular!!!), Anforderungen an Qualifikationsnachweise und natürlich die Prüfung der Einhaltung der Vorschriften.
Also wieder einmal bewirkt die Politik mit ihrem besserwisserischen Erziehungswahn und der Einmischung in den Markt eine Verteuerung des Lebens aller. Inklusive möglicher Umgehungsstrategien der Hersteller, denen neue Regeln nachfolgen.
Irgendwann wird es für Konsumenten dann wohl noch eine Mindestnutzungsdauer für verschiedene Produkte geben.
"Ein neues Auto? Wieso? Deins ist noch keine 10 Jahre alt!"
"Aber es ist kaputt!"
"Quatsch! Kaputt! Du kannst es reparieren lassen! Du hast doch ein Recht darauf seit 2026!"
"Eine neue Jeans? Wieso das denn? Dein digitaler Kaufnachweis zeigt, daß du vor zwei Jahren erst eine neue Hose gekauft hast."
Aber die hat Löcher!
"Kannst du stopfen lassen! Wir werden deine Kreditkarte erstmal für den Kauf von Kleidung sperren."
Klingt übertrieben, ist aber nicht undenkbar.
Die Anhänger dieser neuen Reparatur-Gesetze kommen natürlich auch gleich mit dem Mega-Argument, daß dann endlich die Praxis der Unternehmen aufhört, Sollbruchstellen einzubauen, so daß nach 2 Jahren das Gerät kaputt geht.
Also ich weiß nicht so recht... ja, ich habe davon auch schon gehört und es auch erlebt, aber es ist immer noch eine absolute Ausnahme und betrifft vor allem billige Produkte, die sowieso nicht lange halten würden.
ich bin mal unsere Sammlung von Elektrogeräten zuhause durchgegangen: Waschmaschine, Kühlschrank, Geschirrspüler, Wasserkocher, Herd, Fernsehgerät, Lampen, Mobiltelefone, Laptops... alle sind mehrere Jahre alt oder vor kurzem neu angeschafft, nachdem die alten Geräte mehrere Jahre funktioniert haben. Und viele Dinge, vor allem Computer kauft man auch nicht neu, weil sie nicht mehr funktionieren, sondern weil einfach die Technologie in dem Bereich immer schneller voranschreitet und viele Geräte nicht mehr kompatibel sind oder einfach zu langsam.
Genaugenommen hatte ich nur mal einen Rasierer, der pünktlich nach Ablauf der Garantie nicht mehr funktionierte. Da ich das Ding aber schön fand und es nicht teuer war, hab ich es nochmal gekauft. Auch der ging kurz nach der Garantie kaputt und dann hab ich mir eben einen von einem anderen Hersteller gekauft. Und der hält nun schon mehr als 3 Jahre. Also auch da bietet der Markt eine Lösung. Hersteller, die permanent nur Schrott verkaufen, verschwinden eben vom Markt. Oder sie bedienen eine Klientel, die auf billige Produkte angewiesen ist und die sich eben alle zwei oder drei Jahre ein neues Teil kaufen.
Ich habe sogar noch mein altes iPhone 4 aus dem Jahr 2010 oder 2011. Der Akku ist natürlich völlig runter, aber es funktioniert noch, wenn es am Ladekabel hängt. Also ich kann immer noch telefonieren und Nachrichten schicken, wenn ich wollte. Auch die Kamera geht. Tatsächlich nutze ich es nur noch als Wecker auf dem Nachttisch im Flugmodus. Da hält der Akku sogar fast eine Woche.
Also in meinem Leben bestätigt sich diese pauschale Aussage überhaupt nicht, daß die Hersteller elektronischer Geräte Sollbruchstellen einbauen, damit die nach 2 Jahren kaputt gehen. Sowas gibt es, es kommt vor, aber es ist nicht der Standard.
Wir sehen hier wieder mal ein Problem der Politik! Im Prinzip sind alle Lebensbereiche im Wesentlichen durchreguliert. Es gibt kaum noch etwas, wo der Staat nicht in irgendeiner Form regulierend eingreift. Die logische Konsequenz wäre, die Arbeit der Gesetzgeber massiv zurückzufahren, was auch einen massiven Abbau der Demokratie mit sich bringen würde. Nur das passiert nicht. Die Politik ist weiterhin damit beschäftigt, Probleme zu lösen, die sie mit früheren Regulierungen erst geschaffen haben. Und noch schlimmer: sie erfinden immer neue "Probleme" und erfinden dann neue Schutzgesetze, wo es eigentlich nichts mehr zu schützen gibt. Und das verkaufen sie uns dann als "neue Rechte", die wir als Verbraucher haben. Und wenn das alles dann zu einer Verteuerung unseres Lebens und zu einer Konzentration in verschiedenen Branchen mit verringertem Wettbewerb führt, dann schimpfen alle auf den bösen Kapitalismus und die gierigen Unternehmen!




















