... wenn die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt.
Die Teuerungs-Anstalt hat wieder zugeschlagen. Diesmal das Head Quarter in Brüssel.
Am 12.08.2026 trat eine neue katastrophale und überflüssige EU-Verordnung in Kraft, die einmal mehr die "grandiose Weitsicht" und den ideologischen Starrsinn der Volksüberwacher in Brüssel deutlich macht.
Name des bürokratischen Ungeheuers: EU-Verpackungsverordnung (PPWR - Packaging and Packaging Waste Regulation).
Die EU glaubt, mit diesem weiteren Eingriff in den Markt den Verpackungsmüll in Europa drastisch reduzieren zu können. Zudem sollen strenge Recyclingquoten eingeführt werden (gibt es die nicht schon in irgendeiner Recycling-VO?) und es sollen "unsinnige Verpackungen" verboten werden, die ja offenbar die rücksichtlsose Industrie in Massen verwenden soll.
Schaut man sich das alles im Detail an, wird wahrscheinlich nichts davon erreicht werden. Stattdessen wird man einen weiteren Wirtschaftszweig zum umweltgerechten Ableben bringen und die Versand-Riesen aus dem EU-Inland und Ausland stärken.
Die neue VO fordert im Prinzip von jedem Online-Versender, der Waren innerhalb der EU versendet, in jedem einzelnen EU-Land einen lokal ansässigen Bevollmächtigten zu installieren, für den Fall, daß der Überwachungsapparat der EU jemanden dabei erwischt, daß er seine Ware in die falsche Verpackung gesteckt hat. Dann soll nämlich der lokale Bevollmächtigte mit eigenem Vermögen oder seinem Betriebsvermögen dafür haften.
Und mit jeder Online-Versender ist jeder gemeint. Also nicht nur Amazon und ebay und Zalando und die anderen großen Plattformen aus dem In- und Ausland, sondern auch jeder kleine Online-Shop für Nischenprodukte, handwerkliche Waren oder regionale Delikatessen.
Es gibt eine Menge von Kleinstunternehmen, die zum Beispiel in Spanien Bio-Orangen anbauen und die nicht nur lokal verkaufen, sondern hin und wieder auch mal ein Paket nach Deutschland, Frankreich oder Holland versenden. Das gleiche mit Olivenöl aus Italien. Diese Unternehmer betreiben einen kleinen Versandhandel und erzielen damit ein paar zusätzliche Einnahmen.
Oder Privatpersonen fertigen in Heimarbeit im Nebenerwerb handwerkliche Produkte und versenden die in die Nachbarländer. Bisher kein Problem, aber jetzt müssen diese kleinen Händler einen Bevollmächtigten in allen Ländern, in die sie liefern, installieren und natürlich für seine Dienstleistung bezahlen. Dieser Bevollmächtigte meldet den Online-Shop bei den lokalen Behörden an, meldet die Meng und Art an Verpackungsmaterial und sorgt dafür, daß der Versender an einem lokalen Dualen System teilnimmt und dort auch Gebühren zahlt.
Alternativ können die Kleinunternehmer von der Großzügigkeit der EU-Bürokratie profitieren und all diese bürokratischen Anmeldungen und Meldungen auch selbst vornehmen, also ohne Bevöllmächtigten.
Oma Waltraud muss sich ab sofort also in mehreren Ländern bei den lokalen Behörden online durch seitenlange Formulare klicken und sich registrieren, dann regelmäßig die Verpackungsmengen und -arten melden, mit Gewicht, Abmessungen und Material und sich dann noch bei den lokalen Dualen Systemen melden und mit denen einen Vertrag über die Teilnahme am System schließen.
Das bedeutet konkret, daß sich die Kleinunternehmer zuerst mal der Sprachbarriere gegenüber sehen, weil viele Registrierungs-Portale der Behörden nur in Landessprache verfügbar sind. Dazu verlangen viele EU-Länder bei der Registrierung eine inländische Steuernummer und ein Bankkonto. Auch das kostet Zeit und Geld. Dazu kommen dann die je nach EU-Land unterschiedlichen Meldezeiträume (monatlich, quartalsweise oder jährlich).
All das müssen die Kleinunternehmer jetzt beachten. Und es werden schon Heerscharen von Abmahnvereinen und Bürokraten bereit stehen, das alles zu überprüfen und im Zweifel eine Strafgebühr zu erheben, die dann endgültig das Aus für den Online-Shop bedeuten kann.
Die EU handelt mit dieser Regelungswut entgegen ihrer eigenen ursprünglichen Ziele, zu denen auch die Warenverkehrsfreiheit gehörte. Sie zerstört im schlimmsten Fall die Lebensgrundlage vieler Menschen in Europa. Und das alles für ein paar Dutzend Pakete, die im Jahr ins Nachbarland geschickt werden.
Für Versender außerhalb der EU, also zum Beispiel in der Schweiz, die ja theoretisch nach Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich liefern können, gibt es nicht mal die Alternative der Selbstregistrierung. Die MÜSSEN einen Bevollmächtigten in jedem EU-Land haben. Und bezahlen.
Die großen Versandriesen werden das problemlos wegstecken können. Meist haben sie in allen Ländern eh schon Niederlassungen, die als Bevollmächtigter dienen oder sie überfluten einfach weiterhin die EU mit Paketen aus China, deren Menge niemand kontrollieren kann. Und wenn Probleme auftauchen, wird einfach eine neue Firma in China gegründet, unter deren Namen dann versendet wird.
Inzwischen ist der Druck auf die EU so groß geworden, daß man panisch Anpassungen angekündigt hat. Sehr viele Kleinunternehmer haben bereits ihre Online-Shops für den Versand in andere EU-Staaten blockiert. Sie haben also schon jetzt weniger Umsatz und Gewinn.
Es gibt so schöne Beispiele für die Kreativität von Menschen, die eine Idee haben und damit ein kleines Unternehmen gründen und selbständig für ihren Lebensunterhalt sorgen. Ich glaube, ich habe es in einem Artikel im Manager-Magazin gelesen: da gibt es einen jungen Mann, der hat als Hobby alte Nintendo-Gameboys repariert und wieder verkauft. Meistens an Sammler.
Die Älteren werden sich noch an den Gameboy erinnern, er wird aber nicht mehr produziert.
Der junge Mann betrieb das also zunächst als Hobby und die Nachfrage war dann so groß, daß er damit ein Unternehmen gegründet hat. Er kauft in ganz Europa alte, kaputte Gameboys auf, repariert die und verkauft sie wieder in gant Europa. Er macht damit so um die 10.000 Euro Umsatz pro Monat, etwa 20% davon im Ausland.
Dieser Umsatz ist jetzt von einem Tag auf den anderen weggebrochen.
Wie man lesen kann, haben alle möglichen Unternehmensverbände schon während der letzten Jahre diese VO und die fehlenden Ausnahmeregelungen oder Freigrenzen für kleine Unternehmer kritisiert. Sie haben auf genau die Konsequenzen hingewiesen, die jetzt eingetreten sind und für die man kein Wirtschaftsstudium braucht, um sie vorhersagen zu können. Die EU hat aber die Scheuklappen aufgesetzt und all die Warnungen ignoriert.
Und jetzt, nachdem diese VO nach einer Übergangsperiode in Kraft getreten ist, steht die EU vor einem großen Scherbenhaufen und arbeitet ganz plötzlich an Ausnahmeregelungen oder Freigrenzen. Die EU-Kommission hat die Mitgliedsstaaten sogar angewiesen, erst einmal großzügig bei Verstößen zu reagieren, also noch keine Bußgelder zu erheben. Leider ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Viele Unternehmer haben den Handel beendet. Ob sie ihn im selben Maß wieder aufnehmen werden, nachdem irgendwann mal eine neue Regelung vorliegt, weiß man nicht.
Vielleicht werden sich dann andere finden, die die Lücke füllen. Einen Teil der Lcke werden auf jeden Fall die großen Versandhändler füllen, die sich mit ihren Complaince-Abteilungen all diesen bürokratischen Schwachsinn schon jetzt leisten können. Und dann beschweren sich Politiker und ahnungslose Klugscheißer wieder über die Marktmacht der Großen und das Verschwinden des Einzelhandels und schimpfen auf den bösen Kapitalismus.
Und am Ende sinkt weder die Menge an Verpackungsmaterial, noch wird sich irgendwas spürbar bei den Dualen Systemen der Länder ändern.
Die einzige Auswirkung wird eine Verringerung der Vielfalt des Angebotes sein und daß einige Leute einen Teil ihres Erwerbseinkomens verlieren.
Und das alles nur, weil die EU in ihrer Regelungswut auch noch den letzten kleinen Bereich des Lebens ausleuchtet und ihn regeln will. Und warum? Nicht, weil dort ein Problem besteht, sondern weil der Behördenapparat weiter beschäftigt werden muss.
Deswegen werden immer neue Grenzwerte und Auflagen erfunden, die in eine Regelung einfließen. Ob es neue Grenzwerte für Luftreinheit sind, nachdem die alten Grenzwerte jahrelang nicht mehr überschritten wurden, ob es die vor kurzem in Kraft getretene EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur ist, ob es die totale Überwachung im Auto ist... überall kümmert sich die Bürokratie bis in den letzten Winkel, bis zum letzten Gramm, bis zum letzten Stück Abfall, bis zum letzten Unfallopfer, um die Bürger und ihr Leben. Und keiner der Bürger hat je danach gefragt!
So können sich die Bürokraten ewig selbst beschäftigen. Und da die Einhaltung der Regeln überwacht werden muss, werden neue Datenportale und Formulare erfunden, die dann wieder von Bürokraten ausgewertet werden müssen.
Und alles auf Kosten derer, die ihr Gehalt überhaupt erst erwirtschaften. Die Unproduktiven schreiben den Produktiven vor, wie sie das Geld erwirtschaften sollen, das sie an sie abführen müssen. Und wehe, ein Unternehmer macht den kleinsten Fehler in diesem Bürokratie-Dschungel! Die Geldbußen stehen praktischerweise in jeder Regelung mit drin.
Und weil das die Unternehmen viel Geld kostet, steigen auch noch die Preise für die Verbraucher. Oder es verschwinden Angebote vom Markt.
Die eigentlichen "hehren" Ziele, die die Bürokraten wie eine Medaille für Moral und Gutartigkeit in die Begründungen ihrer Bürokratiemonster schreiben, werden allerdings kaum erreicht.

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