Dienstag, 1. September 2026

Nicht alles, was glänzt...

... ist Gold.

Die Zeitschrift Capital berichtet:




Und weiter... "Die ausländischen Investitionen in Deutschland sind einer Studie zufolge sprunghaft gestiegen. Unternehmen investierten 2025 rund 86 Milliarden Euro und damit 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie aus einer Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf Basis neuer Bundesbank-Daten hervorgeht."

Das klingt doch gut! Es geht wohl wieder aufwärts. Das Ausland sieht wieder gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland. Es lohnt sich wieder, zu investieren.

Wirklich?

Nicht wirklich!

Im Artikel wird zwar selbst auf die statistischen Besonderheiten bei Auslandsinvestitionen hingewiesen ("Die Direktinvestitionsflüsse können von Jahr zu Jahr stark schwanken und durch einzelne größere Transaktionen verzerrt sein. Zudem werden die Werte im Nachhinein oft noch nach oben oder unten korrigiert. Das IW hat den Gesamtwert für 2025 deshalb mit dem Median der Jahre 2015 bis 2024 verglichen: Demnach bleibt immer noch ein Anstieg von fast elf Prozent."), aber ein genauerer Blick ist hier angebracht.

Tatsächlich ist vor allem ein Land für den Anstieg in 2025 verantwortlich: Großbritannien. Dessen Investitionen in Deutschland haben den Rückgang zum Beispiel aus den USA mehr als wettgemacht. Sie belaufen sich insgesamt etwa 26 Mrd. Euro.

Erstaunlicherweise bleibt China mit 199 Mio. Euro nach wie vor nur ein "Randphänomen", wie die Zeitschrift berichtet. Das ist verwunderlich, liest man doch seit einigen Jahren, daß chinesisches Geld immer mehr deutsche Firmen übernimmt.

Wie auch immer, was hat nun den Anstieg der Investitionen aus Großbritannien bewirkt.

Etwa 40% davon, nämlich etwa 10 Mrd. Euro entfallen auf die Übernahme des deutschen Pharmaunternehmens Stada durch die britische Investmentfirma Capvest.

Weitere Mrd. flossen in die Übernahme von Facility-Dienstleistern wie Apleona oder Techem. Daran waren britische Investmentfonds beteiligt.

Außerdem wurde in Rechenzentren investiert, die aufgrund von EU-Datenschutzvorgaben in der EU physisch stationiert sein müssen. Wer also in der EU digital unterwegs sein möchte, muss halt hier bauen.

Bei Direktinvestitionen aus den USA fällt besonders der Verkauf der Sparte Fahrzeug- und Industrielacke von BASF an Carlyle.

Insgesamt sehen wir also eher eine Übernahme von bestehenden deutschen Firmen als eine breit angelegte Investition in neue Produktionsstandorte in verschiedenen Branchen.

Diese Investitionen in Einzelvorhaben mit Neugründungen und Erweiterungen gingen im Jahr 2025 sogar um 9,3 % zurück! Dabei handelt es sich aber um die pure Anzahl an Investitionsprojekten, nicht um die investierten Summen.




Daß der Rückgang im Rest der EU fast doppelt so hoch war, spricht zwar noch für Deutschland, allerdings konzentrieren sich Investoren in schwierigen Zeiten eben auf die Schwergewichte in einem Markt. Und absolut gesehen ist eben Deutschland noch die größte Volkswirtschaft Europas und hat historisch noch ein paar Vorteile gegenüber den anderen EU-Staaten.

Schaut man auf die investierten Summen in dem Bereich der Neugründungen und Erweiterungen, dann sehen wir da einen Rückgang von 49,1%!!!




Das bedeutet, daß die Zahl der Projekte leicht zurückgeht, während die Investitionssummen drastisch einbrechen.

Das erklärt sich auch aus dem starken Anstieg in den Jahren 2022-2024, den man in der Grafik sieht. Dieser Anstieg beruht allerdings auf wenigen Mega-Projekten wie Chipfabriken oder Rechenzentren. Das sind sehr große Investitionen, die auf einmal viel Geld kosten, aber sich auf wenige Projekte konzentrieren. Rechnet man diesen statistischen Ausreißer raus, befinden wir uns etwa wieder auf dem Niveau von 2020, also in dem Jahr, wo wegen der "Pandemie" die Wirtschaft weltweit auf vorübergehenden Stopp gesetzt wurde.

Grund für Optimismus besteht zwar immer, wenn es schlecht läuft, aber in diesem Fall eher nicht. Auch das minimale Wirtschaftswachstum im 1. Halbjahr 2026 sollte eigentlich nicht für Optimismus sorgen, da es vor allem durch den Staatssektor und Investitionen in der Rüstungsindustrie getrieben wird. Sowas ist selten nachhaltig und schon gar nicht mit gesamtwirtschaftlicher Basis.

Bei den ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland kann man also festhalten: Es wird also vor allem günstig eingekauft bei deutschen Firmen, die finanzielle oder strukturelle Probleme haben.

Ein Zeichen des Vertrauens in den Industriestandort Deutschland ist das jedenfalls nicht. Eher ein Ausverkauf.




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