Wer im Geschichtsunterricht gut aufpasst, lernt auch nur das, was ihm dort erzählt wird. Und wenn das falsch ist, dann lernt er eben etwas Falsches.
Und Geschichte wiederholt sich nicht, hört man hin und wieder.
Ich sage: es kommt darauf an, was man meint. Die erzählte Geschichte (die meist von den Siegern erzählt wird) und die äußeren Umstände mögen sich ändern und nicht wiederholen. Die Ursache von Geschichte, also das menschliche Verhalten, vor allem in der Politik, ändert sich jedoch nie und wiederholt sich permanent.
Es ist eine ständige Abfolge von Machtausübung.
Zutaten: Verrat, Betrug, Lügen, Erpressung, Mord, Schmieden und Lösen von Allianzen und die unheilvolle Verquickung von Politik und Wirtschaft.
All das wiederholt sich ständig und damit auch Geschichte.
"Eine Bande von Verbrechern habe ein Attentat auf Adolf Hitler verübt. Doch der zum Glück unversehrt gebliebene Führer konnte diese Verschwörung vereiteln und die heimtückischen Verschwörer selbst würde ihrer gerechten Strafe, einer baldigen Hinrichtung zugeführt."
Mit diesem Zitat beginnt ein Interview von Michael Vogt mit dem Historiker Wolfgang Eggert.
Das Zitat stammt aus einer Zeitung kurz nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Und entgegen der Erwartung war es keine deutsche Zeitung, wie der "Völkische Beobachter", sondern eine amerikanische. "Herald Tribune", New York Times" und Zeitungen aus Washington brachten damals fast gleichlautende Berichte über das misslungene Attentat.
Erstaunlich, waren doch die USA Teil der Alliierten im Kampf gegen Nazi-Deutschland.
Das Interview wurde vor Jahren anlässlich des damaligen Erscheinens des US-Spielfilms "Stauffenberg" mit Tom Cruise geführt.
Das Interview bringt eine völlig andere Sicht auf die damaligen Alliierten USA, Großbritannien und tlws. auch Stalins Sowjetunion, als wir es über Jahrzehnte von Lehrern und Guido Knopp gelernt haben.
Was, wenn all das, was uns erzählt wurde, nicht der Wahrheit entspricht?
Was, wenn die Alliierten damals aus jeweils unterschiedlichen Gründen ein gemeinsames Interesse am Fortbestand von Hitlers Herrschaft und der Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges hatten?
Was, wenn es schon lange vor dem 20. Juli 1944 einen deutschen Widerstand gab, der quer durch alle Schichten von Politik, Militär und Gesellschaft ging und der von den Amerikanern und Briten getäuscht und verraten wurde?
Das Interview ist erstaunlicherweise noch auf Youtube zu sehen.
Ich habe die wichtigsten Passagen und Aussagen mal kurz zusammengefasst, da das ganze Interview über 1 Stunde lang ist. Lohnt sich dennoch, das ganze Interview anzusehen. Wolfgang Eggert bringt umfangreiche Belege in Form von Zitaten von Politikern, Militärs, Diplomaten und Informationen, die in Akten und Büchern zugänglich sind.
Hier ein paar der wichtigen Punkte:
Die Frontlage im Juni 1944 stellte sich für die westlichen Alliierten ungünstig dar. Deutschland hatte noch große Teile Europas besetzt und ein Putsch gegen Hitler und eine folgende deutsche Regierung, die einen Frieden schließen würde, hätte den westlichen Alliierten die Möglichkeit genommen, selbst in großem Stil militärisch in Europa tätig zu werden und seinen Einflussbereich zu bewahren (Großbritannien) bzw. auszuweiten (USA). Man hatte ein Interesse am Fortgang des Krieges. Der Krieg ging dann noch über 1 Jahr und in diesem einen Jahr sind mehr Menschen gestorben als in den Jahren zuvor insgesamt. Aber auch die Sowjetunion hatte ein eigenes Interesse, bis Berlin zu kommen.
Die Kriegsziele der Alliierten waren nicht dieselben.
Churchill ging es nur um Deutschland und zwar um dessen Vernichtung. Deutschland sollte als Regionalmacht in Europa keine Rolle spielen. Es ging ihm nicht um die Beseitigung des Nazi-Regimes, sondern um die Beseitigung Deutschlands als Konkurrent. Großbritannien war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs unter großem Druck durch die Komintern, die kommunistische Weltrevolution, die von Lenin ausgerufen wurde. England verlor eine Kolonie nach der anderen und suchte einen europäischen Partner auf dem Festland, der gegen die Sowjetunion kämpfen sollte. Man rüstete zunächst die Polen massiv auf und schickte sie in den Krieg gegen die Sowjetunion und als Polen zurückgeschlagen wurde, wandte man sich Deutschland zu. Deutschland hatte vorher im Ersten Weltkrieg der halben Welt widerstanden und war ein geeigneter Kandidat, um den Kommunismus zu bekämpfen. Und so standen dieselben britischen Banken und Rüstungsfirmen, die vorher Polen aufgerüstet hatten, nun bei Hitler vor der Tür.
Die USA und Sowjetunion dachten im größeren Rahmen. Sie wollten sich Europa nach dem Krieg untereinander aufteilen. Großbritannien wäre dabei ebenfalls unter die Einflusssphäre Amerikas gekommen und als Weltmacht verschwunden, ein Vorgang, der im Übrigen schon seit dem Ende des Ersten Weltkrieges begann.
Schon lange vor dem Attentat im Jahr 1944 gab es Versuche des dt. Widerstands, die Amerikaner und Briten davon zu überzeugen, ihnen Sicherheitsgarantien für den Fall des Sturzes von Hitler zu geben. 1938 sprachen Gördeler und andere aus dem Widerstand mit Chamberlain, dem damaligen britischen Ministerpräsidenten. Das war im Vorfeld der Annektion des Sudetenlandes durch Hitler. Sie sagten, wenn Hitler sich einer zweiten Front von Britannien und Frankreich gegenübersehen würde, würde er die Tschechoslowakei wahrscheinlich nicht angreifen. Mehr noch: die Männer des dt. Widerstands gaben genaue Pläne für einen Putschversuch gegen Hitler bekannt, bei dem auch die Wehrmacht beteiligt gewesen wäre. Die Wehrmacht war damals entschlossen, Hitler zu stürzen. Am Tag des geplanten Putschversuches flog dann Chamberlain nach München zu Hitler und machte damit den Putsch zunichte. England hatte schon damals kein Interesse an einer Absetzung Hitlers. England wollte ihn weitermachen lassen, bis man ihn und damit Deutschland als Ganzes militärisch vernichten konnte.
Die deutsche Aufrüstung vor dem Krieg wäre ohne die Zustimmung der Alliierten nicht möglich gewesen. Die demokratische Weimarer Republik blieb völlig unbewaffnet. Als Hitler an die Macht kam, erlaubten ihm die Alliierten die Aufrüstung, sie ermunterten ihn dazu und finanzierten diese auch noch. Schon vorher waren es britische und amerikanische Banken und Unternehmen, die Hitlers Wahlkämpfe und seinen Parteiapparat in den 1920er Jahren finanziert haben. Unter den Top 20 der Finanziers von Hitler damals waren 18 aus dem Ausland! Alles mit der Zusage, im Falle seiner Machtergreifung das Militär aufzurüsten und ihn fähig zu machen für einen Krieg im Osten.
Neben Bankiers waren auch einflussreiche amerikanische Familien beteiligt, die Familien Ford oder Bush (ja, genau diese Familie Bush) zum Beispiel.
Im Jahr 1934 bekam Hitler eine US-Anleihe im damaligen Wert von 1 Mrd. US-Dollar, mit der er die Wehrmacht aufrüsten konnte. Eine damals unvorstellbar große Summe, finanziert von Banken der amerikanischen Ostküste, vermittelt von einem gewissen John Foster Dulles, nachdem in Deutschland Straßen und Plätze benannt sind.
Die Widerständler des 20. Juli 1944 wurden von den Amerikanern verraten. Als deutsche Vertreter des Widerstands mit den Amerikanern die Pläne besprachen, wurden zwei Wochen später die wichtigsten Leute, die nach einem Putsch wichtige Positionen einer neuen deutschen Regierung übernehmen sollten, verhaftet worden. Rommel war noch in Großbritannien unterwegs und sprach mit verschiedenen Generälen, die ihm alle versicherten, sie würden einen Militärputsch gegen Hitler unterstützen und auch Churchill würde das gern sehen. Sie bräuchten aber noch mehr Namen von Ansprechpartnern, mit denen man danach zusammenarbeiten würde. Rommel gab ihnen die Namen und diese wurden dann kurz danach verhaftet. Rommel selbst wurde Ziel eines Anschlags durch ein britisches Kampfflugzeug, welchen er schwer verletzt überlebte.
Die Bombe, die Stauffenberg in unmittelbarer Nähe von Hitler platziert hatte, war britischen Ursprungs bzw. von den Briten bearbeitet und teilweise entschärft. Sie verletzte Hitler kaum.
Nach dem Attentat wurden die Beteiligten in der britischen und amerikanischen Presse und von Politikern verhöhnt und beschimpft, wie man am Eingangszitat ganz am Anfang sehen kann. In einer Lageurteilung für das britische Außenministerium wurde davon gesprochen, daß der Ausgang des Attentats gut für Britannien wäre. Der Tod des Führers hätte zu einer schnellen Beendigung des Krieges und einer neuen demokratischen Regierung in Deutschland führen können, was den Kriegszielen der Briten widersprach. Auch nach dem Attentat strahlte die BBC Sendungen nach Deutschland aus, in denen sie die Namen der Beteiligten, die noch nicht gefasst waren, nannte.
Nach dem Krieg verbreiteten Briten und Amerikaner die Mär von der Kollektivschuld der Deutschen. Der Chef der Deutschlandabteilung der BBC führte dann den Westdeutschen Rundfunk und leitete dort die Propaganda gegen Deutschland, die Akten des Auswärtigen Amtes wurden vom britischen Geheimdienstkoordinator verwaltet, der dann entschied, was veröffentlicht wurde und was geheim blieb.
Man baute also nach dem Krieg das Bild von einer deutschen, kranken Volksgemeinschaft auf, die blind dem Führer gefolgt war und im Prinzip aus potentiellen Mördern bestand.
Dazu setzte man auch viele Leute aus dem Widerstand, vor allem aus dem diplomatischen Dienst, von denen die Amerikaner und Briten wussten, daß sie Hitler beseitigen wollten und mit denen sie jahrelang im Gespräch darüber waren, auf die Anklagebank in Nürnberg und verurteilte sie. All die vielen Deutschen, die sich in Gefahr begaben hatten, um Hitler zu stürzen, wurden von den Alliierten verraten und betrogen.
Nach dem Krieg wurde das Thema "Deutscher Widerstand" im Westen auch komplett totgeschwiegen. Sowas durfte nicht existieren, um nicht das gewollte Bild des Tätervolkes zu gefährden. Das deutsche Volk war eine anonyme, homogene Masse von Nazis, die umerzogen werden müssen.
Das änderte sich erst, als die Sowjetunion unter Stalin der westdeutschen Regierung unter Adenauer Anfang der 50er Jahre Vorschläge unterbreitete, ein gesamtes, vereinigtes, neutrales Deutschland inklusive einiger Ostgebiete zu bilden, mit dem man dann zusammen die Nachkriegszeit angehen könnte (die unter Historikern bekannten "Stalin-Noten"). Natürlich mit dem Interesse, den sowjetischen Einflussbereich bis an Rhein und Mosel auszudehnen. Und das konnten die West-Alliierten natürlich nicht akzeptieren. Der Westteil Deutschlands, der bisher von den West-Alliierten weitgehend unbeachtet geblieben war, sollte auf keinen Fall in sowjetischen Einflussbereich fallen. Man wollte dieses Territorium nicht aufgeben. So kam es dann am Ende zum NATO-Beitritt der BRD, dem eine mediale "Reinwaschung" des deutschen Widerstands in den USA und Großbritannien vorausging. Dies war notwendig, hatte man den eigenen Völkern doch vorher jahrelang das Märchen vom bösen Deutschen verkauft, in dem ein Widerstand gegen Hitler keinen Platz hatte.
Und genau die Leute, die die deutschen Widerständler vorher verraten und beschimpft hatten, lobten diese nun und instrumentalisierten sie nun für ihre neuen geopolitischen Interessen.
Am Ende folgt noch das berühmte Zitat des ersten NATO-Generalsekretärs: "Die NATO wurde gegründet, um die Russen draußen zu halten, die Amerikaner drinnen zu halten und die Deutschen unten zu halten."
Jede Aussage, die ich hier in eigenen Worten aufgeschrieben habe, wird im Interview von Wolfgang Eggert genannt und mit Namen und/oder Quellenangaben belegt.
Man sieht, daß Politik ein dreckiges Geschäft ist. Und das geht nicht erst bei der Geopolitik los, sondern beginnt schon viel weiter unten. Aber auf der Ebene der Geopolitik ist es am schlimmsten, weil dort die Macht und die Ressourcen vorhanden sind, für die eigenen Interessen über Millionen von Leichen zu gehen.
Und das war früher so, das ist heute so und das wird wohl immer so bleiben. Und in dem Sinne wiederholt sich Geschichte doch. Auch wenn sie von den Siegern immer anders dargestellt wird.