Dienstag, 1. Oktober 2019
Neues aus der Rubrik "Freigang"
Was?
Sie hat sich beim Verkäufer entschuldigt, dass sie ihm einen Becher abgekauft hat?
Oh oh, ich befürchte, der wird die Becher aus dem Sortiment nehmen. DAS soll ihm nicht nochmal passieren.
Na immerhin hat sie nicht dem Verkäufer einen Vorwurf gemacht, dass er überhaupt noch Einwegbecher im Angebot hat.
Das wäre dann die nächste Stufe auf der nach oben offen "Dachschaden"-Skala.
Aber immerhin hat Greta offensichtlich etwas erreicht. Die bewusst lebende Tante wird nie wieder ihren Mehrwegbecher vergessen.
Auch wenn dieser Vorfall den Kampf gegen den Klimawandel um Tage zurückwirft.
Mittwoch, 18. September 2019
Nachhaltiges Wirtschaften in grün
Ich warte schon auf die Schlagzeile in ein paar Monaten:
"BIO Company meldet Insolvenz an. Geschäftsführung ist ratlos."
Mal ehrlich, BIO-Company, was soll das?
Wollt ihr tatsächlich, dass die Leute bei euch weniger kaufen? Liegt euch die Natur so sehr am Herzen, dass ihr euer Geschäftsmodell riskiert? Dass ihr Angestellte entlassen müsst, euren Lieferanten sagen müsst, dass ihr ab sofort nur noch die Hälfte der Ware abnehmt, worauf der Lieferant, also z.B. der Biobauer aus der Region evtl. auch jemanden entlassen muss?
Oder ist das nur ein heuchlerischer, scheinheiliger Aufruf im derzeitigen Zeitgeist, der eure Kunden dazu bewegen soll, Haltung zu zeigen und natürlich nur woanders weniger zu kaufen, dafür bei euch aber umso mehr? Das würde dann den Sinn eurer Werbung konterkarieren.
Und nehmt ihr dann in Kauf, dass bei anderen Einzelhändlern weniger Umsatz gemacht wird und dort Leute entlassen werden sollen?
Dann müsste euer Slogan aber heißen: Kauf weniger! Für mehr Arbeitslosigkeit!
Naja, vielleicht haben die Eigentümer der BIO-Company ja auch inzwischen so viel Geld verdient, dass sie sich den täglichen Stress nicht mehr antun möchten und ihr Unternehmen auf sanfte Weise beerdigen wollen. Nach dem Motto: wir haben ja keine Kunden mehr, wir können nichts dafür? Teuer genug sind die Lebensmittel ja.
Egal, was auch immer eure Motivation ist, ich hab da ein paar Ideen, wie das noch effektiver umgesetzt werden kann.
Stellt doch einfach vor jeden eurer Läden einen breitschultrigen und grimmig dreinschauenden Türsteher, der die Kunden, die es wagen sollten, euren Laden betreten zu wollen, düster anherrscht: hast du dir das auch wirklich gut überlegt? Willst du hier wirklich rein? Geht dir die Natur so sehr am Arsch vorbei, du egoistischer, selbstsüchtiger Konsument?
So könntet ihr sicher einen Großteil der Kundschaft davon abhalten, bei euch zu kaufen.
Ihr könntet auch einen Schritt weiter gehen und jedem eurer Kunden ein monatliches Budget zuweisen, welches er bei euch im Laden ausgeben darf. Ist das Budget ausgeschöpft, gibt's nichts mehr. Pech gehabt. Nachhaltigkeit geht vor.
Kontrollieren könnt ihr das mit einem kleinen Kassenbuch für jeden Kunden. Der Kunde zeigt an der Kasse seinen Ausweis, eure Kassiererin holt das entsprechende Kassenbuch aus einem Regal neben der Kasse und zieht dann die Einkäufe vom Budgetwert ab. Das Kassenbuch muss natürlich aus Recycling-Papier sein.
Der Stau an der Kasse sorgt dann zusätzlich dafür, dass noch weniger Kunden bei euch was einkaufen wollen. Oder sich zumindest nur ein paar wenige Dinge in den Einkaufswagen legen, damit die Abrechnung nicht so lange dauert.
Einfacher wäre das sicher mit einer Kunden-Chipkarte, aber hey: die ist aus Plastik und hinterlässt später Elektronikschrott. Das ist so ein Recycling-Kassenbuch viel nachhaltiger.
Ihr könntet dabei auch noch Arbeitsplätze schaffen, indem ihr Kundenberater einstellt, die den Kunden helfen, das monatliche Budget optimal auszunutzen. Die kommen dann einmal in der Woche zum Kunden nach Hause und gehen mit ihm den Essensplan der nächsten Woche durch. Aber denkt dran: euer Kundenberater darf dafür keinen Dienstwagen bekommen. Die Wege muss er schon mit dem Fahrrad machen.
Ihr könntet aber auch einfach eure Preise verdoppeln. Das hält einerseits viele Kunden vom Kauf ab, andererseits bekommen die Lieferanten mehr Geld für weniger Ware.
Da wird dem Spruch "Weniger ist Mehr" endlich mal ein Sinn gegeben.
Ihr könntet natürlich auch einfach sofort eure Läden schließen. Dann kommt wirklich niemand mehr in die Verlegenheit, evtl. zu viel bei euch zu kaufen.
Freitag, 6. September 2019
Nein. Doch. Ohhh...
Inzwischen zieht bei den Experten und Befürwortern der sog. Energiewende Realismus ein.
Sie bemerken jetzt nach Jahren auch das, was die "bösen, rechten Hobbyforscher, die mit Millionen von der Öl- und Kohleindustrie gesponsert werden", schon immer wussten: die Windenergie hat natürliche Grenzen.
Der Handelsblatt Energie-Newsletter, der bisher jeden vermeintlichen Erfolg der Energiewende und jede noch so absurde neue Idee zur alternativen Stromerzeugung und -speicherung gefeiert hat, überrascht diese Woche mit Realismus:
Nicht nur, dass Deutschland schlicht und einfach nicht genügend Fläche hat, um so viele Windräder aufzustellen, wie für die sog. Energiewende benötigt werden (Glückwunsch zu dieser Erkenntnis im Jahre 2019), es mangelt dazu noch am Wind. Es weht nämlich nicht immer irgendwo Wind. Und wenn doch, dann eben nicht in ausreichendem Maße. De Einspeisemengen über's Jahr sprechen da ein eindeutiges Bild. Und die windträchtigsten Standorte sind ja schon lange genutzt.
Aber auch das werden die Experten und Befürworter der sog. Energiewende irgendwann auch begreifen.
Mittwoch, 4. September 2019
Fragen über Fragen
NPD haben sie offensichtlich nicht gewählt, obwohl das ja für Nazis die angemessene Wahlentscheidung gewesen wäre.
Schaut man sich die Wählerwanderungen nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg an, dann haben sich all die Nazis bis vor kurzem noch bei der CDU und der SPD und den Linken versteckt, denn von dort sind viele Wähler zur AfD gewechselt.
Also man muss diesen Nazis schon ein strammes Durchhaltevermögen attestieren. Da warten die jahrelang bis zum richtigen Augenblick, ignorieren standhaft die NPD, die Republikaner und andere rechtsextreme Politikversuche, um dann der wahren Nazipartei, der AfD ihre Stimme geben zu können.
Raffiniert, diese Nazis.
Ich befürchte, dass die Journalisten und Politiker auch noch das Mantra von den Nazis runterbeten werden, wenn die AfD mal 50% der Stimmen bekommen würde.
Und sie würden nicht auf die Idee kommen, sich selbst fragen, ob denn an ihrer Einschätzung, dass nun 50% der deutschen Bevölkerung Nazis sind, eventuell etwas nicht stimmen könne.
Relotius lebt...
Denn neben den üblichen Klagen der zahlreichen Journalistendarsteller im Land über das starke Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg und die Vermutungen über die Gründe dafür (alles Nazis, alle zu doof, alle abgehängt und enttäuscht usw...) gab es in der Lückenpresse, hier im Berliner Tagesspiegel, auch diese schöne Geschichte, bei der der Autor wohl mal nicht einfach nur meckern, sondern auch mal positiv aufzeigen wollte, wie man die AfD klein hält.
So hält man die AfD klein
Da gibt es nämlich den rührigen und wahrscheinlich wirklich sehr engagierten Bürgermeister des sächsischen Städtchens Augustusburg Dirk Neubauer. Er ist in der SPD und wahrscheinlich tatsächlich ein guter Bürgermeister. Und während die AfD bei der Landtagswahl in Augustusburg mehr als 30% der Stimmen bekam, hat sie es nicht in den dortigen Stadtrat geschafft. Also vorher, bei den Kommunalwahlen in Sachsen im Mai 2019. Oder war es April? Egal, tut nichts zur Sache. Es war jedenfalls früher im Jahr.
Und dass die AfD im Stadtrat von Augustusburg keine Chance hat, liegt, so jedenfalls sagt es der Artikel, am engagierten Bürgermeister.
"Mit derselben Methode – anderen zuhören, nachfragen, sie ein bisschen antreiben und sich selbst noch ein bisschen mehr kümmern – hat er dazu beigetragen, dass die Sehnsucht nach einer starken AfD in Augustusburg vergleichsweise gering ist. "
Im ganzen Text findet sich dann eigentlich kein wirkliches Argument dafür, dass der nette Bürgermeister es geschafft hat, die AfD in Augustusburg klein zu halten. Okay, er ist mal nach Dresden zu Pegida gefahren und hat festgestellt, dass dort nicht nur Nazis rumlaufen, aber sonst? Er kümmert sich eben um seine Stadt, wie es ein Bürgermeister tun sollte.
Okay, und so hält man also die AfD klein? Mit Kümmern? Mit engagierter Lokalpolitik? Was für eine schöne Geschichte aus der sächsischen Provinz, wo doch ansonsten die Machtübernahme der braunen Horden kurz bevor steht.
Die Geschichte hat nur einen kleinen Haken. Kein Kreuz, sondern nur einen Haken. Denn so engagiert und rührig der Bürgermeister auch sein mag, was ich auch wirklich nicht anzweifeln will, mit dem Nichteinzug der AfD in den Stadtrad hat das eher wenig zu tun.
Denn es liegt der Verdacht nahe, dass die AfD nur deshalb nicht im Augustusburger Stadtrat sitzt, weil sie bei der letzten Kommunalwahl in Sachsen schlicht keinen Bewerber aufgestellt hat. Es gab niemanden von der AfD, der sich um ein Stadtratsmandat in Augustusburg beworben hat. So wie es in einigen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten ebenso der Fall war. Die AfD hat schlicht in einigen Gebieten ein Personalproblem.
Woher ich das weiß?
Nun, mit ein wenig Recherche (es hat mich vielleicht 5 Minuten gekostet und ist scheinbar für einen Tagesspiegel-Redakteur eine nicht zu bewältigende Aufgabe) kommt man zur Webseite des Landeswahlleiters Sachsen. Und dort findet man dann auch schnell eine Liste der Bewerber zur Gemeinderatswahl 2019 (wie es offiziell heißt).
Landeswahlleiter Sachsen
Der Link führt zu einer Excel-Tabelle, die man sich auf den Computer runterladen kann. Die Excel-Datei enthält eine Liste mit allen Bewerbern zur Gemeinderatswahl, schön sortiert nach Wahlkreisen. Und dort findet man dann auch Augustusburg und siehe da: es gab keinen Bewerber der AfD.
Und so war es auch in einigen anderen Wahlkreisen. Nach der Logik des Relotius-Fans vom Tagesspiegel müssten in allen Wahlkreisen, in denen die AfD im Stadtrat sitzt, bisher absolute Versager als Bürgermeister tätig gewesen sein. Und in allen Wahlkreisen, wo die AfD nicht vertreten ist, verrichten engagierte Lokalpolitiker ihr segensreiches Werk und die AfD kann nur staunend zugucken und muss draußen bleiben.
Schöne Geschichte, oder?
Tatsächlich hat der Autor ungewollt Recht, aber eben nicht so, wie er es denkt. Die Politik könnte die AfD tatsächlich "klein halten", denn sie hat sie auch groß gemacht. Doch eben nicht auf Lokalebene. AfD-Wähler stören sich eben nicht in erster Linie daran, dass der lokale Supermarkt zumacht und schieben es dann den bösen Ausländern in die Schuhe. Und der AfD-Wähler stört sich eben auch nicht an Problemen bei Umgehungsstraßen oder fehlenden Grünanlagen im Stadtkern oder was auch immer Lokalpolitik ausmacht.
AfD-Wähler stören sich vor allem an Fehlentwicklungen auf Bundesebene, die das ganze Land betreffen und bei denen alle Bürger in Geiselhaft genommen werden, sei es bei der Euro-Rettungspolitik, der Erweiterung des EU-Bürokratiemonsters, den Zwangsabgaben für staatlich kontrolliertes Fernsehen oder eben bei der Einwanderungspolitik. Und sie stören sich an fortwährendem Gesetzesbruch durch die obersten Amtsträger dieses Staates.
Und sie stören sich genauso an solcher Art von Beiträgen in den Medien, egal ob nun öffentlich-rechtlich oder privat, die ein völlig falsches Bild von der Situation im Land wiedergeben und an der Realität im Land vorbeiberichten. Und dabei meist einen Großteil der Bevölkerung des Landes beleidigen und beschimpfen.
Oder eben wie hier, die Hälfte der Wahrheit einfach weglassen.
Dienstag, 13. August 2019
Vorsicht! Denn sie wissen, was sie tun...
US-Präsidentschaftswahlkampf 1968.
Der Vietnam-Krieg und die Proteste dagegen befinden sich auf dem Höhepunkt. Präsident Lyndon B. Johnson steht für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung. Zur Wahl treten Richard Nixon für die Republikaner und Hubert Humphrey für die Demokraten an.
Die US-Regierung steht unter massivem und weiter zunehmendem Druck der Öffentlichkeit, die fordert, den Krieg in Vietnam zu beenden. Der Kandidat der Demokraten, Humphreys, wirbt damit, die Verhandlungen zwischen Nord- und Südvietnam in Paris, die von Lyndon B. Johnson begonnen wurden, weiter zu unterstützen, um den Krieg baldmöglichst beenden zu können.
Selbst die Nord- und Südvietnamesen sind bereit, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Die Amerikaner stellten zwischenzeitlich dafür auch die Bombardements Nordvietnams ein.
Auch die Russen unterstützen diese Pläne, da sie lieber einen Demokraten im Weißen Haus sähen als den erklärten Anti-Kommunisten Nixon. Sie üben Druck auf das nordvietnamesische Regime aus, einer Waffenruhe und den Verhandlungen zuzustimmen.
Humphrey gewinnt in den Umfragen vor der Wahl mit seinem Programm zunehmend Punkte und für Nixon droht eine Niederlage im Kampf um das Weiße Haus.
Da entsendet Nixon einen geheimen Gesandten nach Südvietnam. Dieser sollte die südvietnamesische Regierung überzeugen, die Verhandlungen in Paris platzen zu lassen. Im Gegenzug versprach Nixon dafür stärkere Unterstützung im Kampf gegen Nordvietnam. Sein Ziel dabei war, der amerikanischen Öffentlichkeit zu zeigen, dass die angebliche Verhandlungsbereitschaft beider Kriegsparteien nur ein politischer Trick der Demokraten war und dass man auf diesem Weg den Krieg nicht beenden könne.
Nixons Strategie ging auf und er gewann die Wahl.
Das Ergebnis war, dass der Krieg in Vietnam weiter ging und weitere hunderttausende Menschen das Leben kostete.
Diese Informationen wurden erst 2007 bekannt, fast 40 Jahre später, als Historiker endlich Zugang zu alten Unterlagen bekamen.
Was sagt uns diese Geschichte?
So oft und so überzeugend Politiker in ihren Reden auch davon sprechen, dass sie nur das Wohl ihres jeweiligen Volkes im Auge haben, dass sie dem Land dienen und Frieden schaffen wollen, so oft ist es die Pflicht der Bürger, argwöhnisch und skeptisch zu sein und zu versuchen, hinter die Kulissen zu schauen. Denn Nixon ist kein Einzelfall. Noch immer wurde jeder Krieg mit einer Lüge begonnen oder unterstützt. Noch immer verbergen sich hinter den Phrasen der Politiker zumeist individuelle Interessen, bei denen es um Macht oder Geld oder beides geht. Und niemals werden Politiker zugeben, dass es so ist. Das liegt in der Natur der Sache, denn niemand würde ihnen mehr folgen. Die Interessen des Landes, das Wohl des Volkes oder Frieden auf der Welt sind jedoch Dinge, für die viele Bürger ihre Stimme einem Politiker geben würden.
Politiker, gerade wenn sie bis an die Spitze der Macht vorstoßen, sind Meister im Verschleiern ihrer Absichten, Meister im Vortrag pathetischer und mitreißender Reden, meist geschrieben von intelligenten und ebenso individuellen Interessen folgenden Beratern.
Wenn man sich die heuchlerischen Reden Nixons als späterer Präsident ansieht, in denen er die hunderttausenden Opfer des Vietnam-Krieges beklagt, den Angehörigen sein Beileid ausdrückt und von seinem Wunsch nach Frieden redet, dann wird einem klar, wie verlogen und verkommen Politiker sein können. Dort heuchelte der Mann Mitleid vor, der für den Tod von zusätzlichen tausenden Menschen verantwortlich war.
Das Problem daran ist, dass man diese Lügen und Heucheleien selten in dem Moment bemerkt, wenn ein Politiker redet. Man möchte ihnen glauben, man will einfach darauf vertrauen, dass sich diese Leute ihrer Verantwortung bewusst sind und dass sie gute und ehrliche Menschen sind. Doch je höher die Machtposition ist, in die sich ein Politiker hinein gearbeitet bzw. gekämpft hat, umso größer muss die Skepsis sein, die man diesen Leuten entgegenbringen muss, um die Heuchelei und die Lügen von ehrenhaften Absichten unterscheiden zu können. Nixon selbst log während seiner Amtszeit, in der es schon Gerüchte gab, dass er direkt in die Verhinderung der vietnamesischen Friedensverhandlungen involviert gewesen war. Er log darüber bis zu seinem Tod.
Es mag Ausnahmen geben, es mag Politiker geben, die sich tatsächlich für so etwas wie ein Gemeinwohl einsetzen wollen oder für Recht und Ordnung oder Frieden. Gerade auf der untersten Ebene, in der Lokalpolitik findet man häufig noch Idealisten, die das unmittelbare Umfeld, in dem sie leben, für alle besser machen oder erhalten wollen.
Und auch bei neuen politischen Bewegungen kann man noch bis zu einem gewissen Punkt davon ausgehen, dass die Motive eher idealistischer als berechnender Natur sind. Je etablierter eine Bewegung jedoch wird, je höher ein Politiker in der Hierarchie aufsteigt, umso mehr verschieben sich bei den meisten die Interessen. Zu groß sind die Vorteile, die mit einem politischen Amt verbunden sind, als dass man sie durch Idealismus gefährden würde.
Zudem findet quasi automatisch eine Entfremdung statt von den Dingen, die normale Menschen bewegen, je höher man in der politischen Struktur aufgestiegen ist.
Nun ist unsere parlamentarische Demokratie in Nationalstaaten oder Staatenbündnissen derzeit wohl die am meisten akzeptierte gesellschaftliche Organisationsform der Menschen, manche sagen auch, es wäre die beste aller möglichen Formen. Sie hat gewiss ein paar Vorteile, aber auch jede Menge Nachteile.
Ihr größter Nachteil, neben der tatsächlich nicht vorhandenen Freiheit der Menschen, sich diesem System entziehen zu dürfen ist aber die Gefahr der Verselbständigung und Verfestigung und Vergrößerung politischer Machtstrukturen. Und die Beförderung des Aufstiegs zweifelhafter und krimineller Gestalten.
Denn wie schon gesagt: Nixon ist kein Einzelfall. Die berühmte Watergate-Affäre. in die er ebenfalls verwickelt war, ist nur ein weiteres Beispiel für die Verkommenheit von Politikern.
Und wir müssen aus diesen Vorkommnissen lernen und uns an sie erinnern, damit wir immer skeptisch bleiben und nicht naiv alles glauben, was uns erzählt wird.
Denn die beste Organisationsform der Menschen ist noch immer die, in der sich die Herrscher vor den Beherrschten fürchten müssen und nicht umgekehrt.
Freitag, 2. August 2019
Das gefällt Greta gar nicht...
Geht es nach den "Klimaexperten", dann ist dieses Paradies bald dem Untergang geweiht. Der angeblich bedrohlich ansteigende Meeresspiegel wird den Inselstaat bald zu einem zweiten Atlantis machen.
Nur irgendwie spielen die Inseln im azurblauen Tropenmeer nicht so richtig mit. Sie wollen einfach nicht untergehen. Und die Pegel der Region wissen auch nicht so recht, in welche Richtung sie nun marschieren sollen. Aufwärts, abwärts, seitwärts? Jedenfalls sieht ein dramatischer Anstieg anders aus.
http://www.climatedata.info/impacts/sea-levels/maldives/
Auch in anderen tropischen Regionen sieht es nicht nach Drama und Weltuntergang aus. Beispiele aus dem Südpazifik:
http://www.climatedata.info/impacts/sea-levels/pacific-islands/
Und irgendwie haben die Regierenden vor Ort auch nicht so recht Angst vor der großen Flut, denn jetzt gab die Regierung bekannt, dass sie noch in 2019 fünf neue Flughäfen bauen wollen. Nicht, dass es nicht schon einige Flughäfen dort gäbe, es sind 11, inklusive dreier internationaler Flughäfen, aber jetzt kommen eben noch 5 dazu.
https://www.achgut.com/artikel/malediven_wollen_fuenf_neue_flughaefen_eroeffnen
Wer baut 5 neue Flughäfen, wenn in 20 Jahren oder so der Untergang droht? Würde nicht jede Regierung, die sich verantwortlich fühlt, Alternativen für die Bevölkerung zu suchen? Dämme bauen, Ufer befestigen, Häuser und Energieversorgung sichern usw..., aber Flughäfen bauen? Wo doch angeblich Flugzeuge mit ihrem Kerosin auch noch zum Untergang beitragen sollen?
Okay, in Berlin baut man keinen Flughafen, obwohl hier keine Flut droht, aber das hat andere Gründe.
Was sagt Greta dazu und Herr Rahmstorff vom PIK in Potsdam, dass ihr Lieblingsopfer des globalen Klimawandels, die Inseln der Malediven, nun ausgerechnet den Hauptfeind der klimabesorgten Gutbürger, das Flugzeug, fördern?
Die müssen doch durchdrehen. Da quält sich Greta, statt zu fliegen, in einem ungemütlichen Segelboot zwei Wochen über den Atlantik zu einer Klimakonferenz, damit die Malediven nicht untergehen und dann bauen die Malediven fünf neue Flughäfen!
Diese Ironie...
Fehlt nur noch, dass sie da noch zwei Kohlekraftwerke hinbauen.
Montag, 29. Juli 2019
Heldengeschichten der Moderne
Klima-Greta, die "Erleuchtete", fährt zum nächsten Weltklima-Gipfel nach New York im September 2019 mit dem Schiff.
Greta fährt Schiff
Sie wird begleitet von ihrem Vater - wie fürsorglich - und einem Fotografen - wie passend.
Beide müssen in einem zweiten Boot mitfahren, da auf der millionenschweren Rennyacht, auf der Greta mitfährt, kaum Platz für sie selbst ist.
Zitat aus dem Beitrag:
"Dabei ist das Boot, mit dem der Hamburger von Sonnabend an das Rolex Fastnet Race bestreiten wird und in einem Jahr die "Vendée Globe", alles andere als eine Fahrtenyacht: "Malizia" ist ein bis zur Schonungslosigkeit optimierter Renner.
Der Imoca 60 mit Tragflügeln zählt zu den derzeit modernsten und leistungsfähigsten Einrumpfyachten weltweit. Konzipiert für den Solo-Betrieb, bietet er unter Deck kaum Platz und null Komfort – eine enge, nackte, düstere Carbon-Höhle, durchzogen von einem kniehohen Gerüst aus Stringern und Spanten.
Es gibt nur zwei Rohrkojen, kein Klo, keinen Wassertank. Als Pantry steht lediglich ein winziger Gaskocher aus der Expeditionsausrüstung zur Verfügung. Ab 15 Knoten Geschwindigkeit versteht man unter Deck kaum sein eigenes Wort, ab 20 Knoten wird es infernalisch. Und die Schläge und das Rucken im Seegang können einen ohne Vorwarnung von den Füßen holen."
Wieso fährt ein Fotograf auf dieser Reise in einem separaten Boot mit?
Wenn Greta einfach nur nach New York mit einem Boot fahren will, dann kann sie das gern ankündigen und dann machen und sich von mir aus auch bei Abfahrt und Ankunft fotografieren lassen. Tue Gutes und rede darüber... ihr Clan und die beteiligten Medienprofis wissen ja, wie sowas geht.
Aber extra einen Fotografen mitnehmen?
Sowas macht man nur, wenn man hinterher eine Fotostory plant, mit der man die entschlossene Greta in Nahaufnahmen zeigt, wie sie den widrigen Umständen an Boot der teuren Superyacht trotzt - zu unser aller Wohl. Eine moderne Heldin, im riskanten und ungemütlichen Einsatz zur Rettung unserer Welt, um uns alle wach- und aufzurütteln. Perfekt festgehalten in high-definition-Profifotos... eine Heldengeschichte der Moderne.
Interessant wäre, wenn sich jemanden finden könnte, der einfach nebenher mitfährt und den Alltag während der zweiwöchigen Überfahrt beobachtet. Vielleicht wechselt ja Greta unterwegs mal schnell ins komfortablere Beiboot. Sowas kann man ja in einer Fotostory einfach rauslassen.
Aber wer hat schon soviel Zeit und Geld, um einfach so zwei Wochen über den Atlantik zu fahren?
Achso, Pierre Casiraghi, Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco hat soviel Geld. Er finanziert das Ganze wohl, so wie er auch die millionenteure Superyacht als Besitzer eines Rennteams, passenderweise "Syndikat" genannt, finanziert.
Da hat man dann alle Zutaten beisammen: ein kleines Mädchen für's Gefühl, ein A-Promi für den Glamour, ein erfolgreicher Leistungssportler für die Glaubwürdigkeit und eine aufregende Bootsfahrt für den Thrill. Und einen Profi-Fotografen für die Bilder des Jahres.
Die globalen Preise für den besten Film, das beste Foto, die beste journalistische Story, die besten Haupt- und Nebendarsteller und der Bambi sind für 2019 oder 2020 praktisch schon vergeben.
Ich kann es kaum erwarten.
In jedem Falle sieht man hier wieder mal, dass "Klimaschutz" nicht mehr ist als ein Spleen für westliche Wohlstandsbürger.
Es könnte ja mal jemand ausrechnen, wieviel CO2-Emissionen die Herstellung der teuren Yacht aus Kohlefaser verursacht hat. Schließlich ist die Produktion von Kohlefasern ein extrem energieintensiver Prozess. Kennt man aus der Automobilherstellung.
Und während die Hobbies der Reichen vorher als großes Übel für unser Klima angeprangert wurden, ist diese Yacht jetzt plötzlich total cool und hilfreich für's Klima.
Ich wäre im übrigen dafür, dass alle Teilnehmer der Klimakonferenzen mit solchen Booten anreisen.
Samstag, 20. Juli 2019
Zensierst du noch oder "correctivierst" du schon?
Da sich an diesen Grundsatz vor allem der Staat halten muss, kann er nicht ganz so einfach unliebsame Meinungen löschen oder verbieten oder sonstwie zensieren.
Aber es geht ja auch anders.
Bei Facebook funktioniert das jetzt so:
Die selbsternannten "Faktenprüfer" von Correctiv scannen die Beiträge auf Facebook und "prüfen" ob es sich um Fake News handelt oder nicht. Natürlich "Fake News" im Sinne von Correctiv und den dahinter stehenden Auftraggebern.
Und so picken sie sich dann Beiträge raus und setzen unter den Beitrag einen Hinweis, dass die "unabhängigen Faktenprüfer" keinen Beleg dafür finden konnten, dass die im Beitrag genannten Argumenten oder Behauptungen richtig sind.
Zum Beispiel wurde letztens in einer Facebook-Gruppe ein Beitrag veröffentlicht, in dem der freie Journalist Daniel Matissek darüber nachdachte, ob die filmische Begleitung der sogenannten "Rettungsaktion" der Sea Watch 3 unter Kapitänin Rackete im Mittelmeer durch die "Panorama"-Redaktion nicht eine vorher abgesprochene und weitgehend geplante Aktion gewesen war.
Die Überlegungen des Journalisten waren folgende:
"Carola Rackete und kein Ende: Seit gestern nimmt seit Fall eine spektakuläre Wendung, nachdem bekannt wurde, dass sich an Bord der „Sea-Watch 3“ durchgehend ein TV-Team des ARD-Magazins „Panorama“ befand. War etwa alles nur ein Fernsehspiel für die ARD, war die gesamte „Rettungsaktion“ möglicherweise nur eine riesige Medienshow?
Was sich hier abzeichnet, ist ein ungeheuerlicher Skandal - denn anscheinend handelte es sich bei der ganzen Fahrt der Sea-Watch bis hin zur Verhaftung der Kapitänin um nichts weiter als ein geniales Propagandastück; immer mehr deutet darauf hin. Seit der Freitagssendung des ARD-Magazins ist bekannt, dass die beiden „Panorama“-Reporter Nadia Kailouli und Jonas Scheijäg die ganze Zeit über an Bord der „Sea Watch 3“ waren – und zwar vom ersten Moment ihres Ablegens in Sizilien bis zur Festnahme Carola Racketes auf Lampedusa. Rückschauend gleicht die gesamte Aktion einer Inszenierung - wohl mit dem von vornherein geplanten Ziel, um jeden Preis auf Konfrontation mit den italienischen Behörden zu gehen. Soviel Nähe zum gelenkten Geschehen lässt sogar CNN vor Neid erblassen.
Der „Panorama“-Beitrag beginnt mit einer für Anchorwoman Anja Reschke so typischen spöttelnden Anmoderation: Es sei „interessant zu beobachten, wie hierzulande jetzt plötzlich alle Experten für Seenotrettung und Seerecht sind, die genau wissen, was zu tun und zu lassen ist, wenn man auf Schlauchboote mit Flüchtlingen trifft - ohne irgendwelche Kenntnisse, was sich da genau abgespielt hat“. Zum Glück gibt’s dafür ja „Panorama“. Das Kamerateam habe „alles beobachtet und gefilmt - die ganze Odyssee der Sea Watch“, verkündet Reschke ganz unbescheiden. Den beiden Reportern war dabei nicht klar, so Reschke, dass ihre „Reise“ (sie nennt es ernsthaft so) „weltweit Schlagzeilen machen würde“. Denn: „Zu dieser Zeit interessierte sich kaum einer für Rettungsschiffe“ (auch das eine abenteuerliche Lüge im Nebensatz, denn über die Mittelmeer-Seenotrettung wird seit Jahren emotional gestritten, doch solche Details fallen bei Reschkes Agitprop-Duktus schon gar nicht mehr ins Gewicht).
Der sodann folgende knapp zwanzigminütige Einspieler mit den Aufnahmen von Bord ist ein Paradestück von Berechnung und inszenatorischer Ruchlosigkeit, wie man es auf hoher See seit der Dauerbegleitung der „KdF“-Kreuzfahrtschiffe der 1930er Jahre durch die Kamerateams des NS-Propagandaministeriums nicht mehr gesehen hat. Mit Journalismus hat dies nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun, was hier geschieht. Grenzen werden überschritten, es ist eine neue Dimension von „embedded coverage“, die über das Dabeisein weit hinausreicht: Es ist Mittäterschaft durch Unterlassen. „Mittendrin statt nur dabei“ 2.0 – eine wahrhaftige Perversion von Vor-Ort-Berichterstattung.
Zu sehen ist immer wieder Rackete. Dynamisch, aktiv, unerschrocken, fast schon sexy. Inszeniert wie ein Popstar. „Zufällig“ hält die Kamera gerade auf ihr Gesicht in Großaufnahme, als der angebliche „Hilferuf“ eingeht. Und was für ein Zufall – wäre der Notruf der Schiffbrüchigen nämlich nicht eingegangen, wäre das „Panorama“-Team ja ganz umsonst an Bord gegangen, müsste wochenlang untätig herumschippern und Carola Rackete filmen. Wer sich gerne verarschen lässt und an solche „Zufälle“ glaubt, für den ist diese angebliche „Reportage“ dann natürlich auch seriöser Journalismus. Und schon geht sie los, die „Rettung“: Energisch handelt die Crew. Bemerkenswert schnell ist die „Sea Watch 3“ bei den bereits wartenden Schlauchbootpeople. Professionell werden sie an Bord geholt. Wenig später schippert das Schiff bereits zurück gen Lampedusa. Doch, welch Überraschung und Wunder: Italien bleibt hart. Aber Rackete bleibt cool. Nervenstark und freundlich begegnet sie die an Bord gekommenen Beamten der italienischen Küstenwache. Sie unterschreibt irgendwelche Papiere, dann verschwinden die Polizisten wieder. Das tagelange Warten beginnt. Gezeigt wird, wie die Crew immer wieder an Deck beratschlagt, wohin sie fahren sollen, wenn Lampedusa dicht bleibt. „So viele Staaten haben sie angefragt. Von den meisten kamen Absagen oder gar keine Antwort.“, kommentiert die Stimme aus dem Off mit vorwurfsvollem Unterton.
Einer der Afrikaner wird gezeigt, wie er die Crew der "Sea-Watch 3" angeblich fragt: „Ich möchte wissen, ob ihr uns nicht verhaftet, weil wir schwarz sind“. Sichtlich betroffen beruhigt einer von Racketes Hiwis den Mann und versucht, ihm „die Angst zu nehmen“. Hallo? Wer soll solch einen Stuss bitte glauben? Ein Afrikaner zahlt etliche tausend Euros für seine Überfahrt nach Europa, wird dazu planmässig von Seenotrettern aufgegabelt... und hat dann Angst, ausgerechnet von den Europäern aufgrund seiner Hautfarbe eingelocht zu werden, die ihn aus dem Meer ziehen?!? Geht's überhaupt noch idiotischer?
An Bord darf dann ein anderer Aufgegabelter für „Panorama“ seine angebliche Geschichte erzählen: Von Folterungen mit Elektroschocks auf nassen Fußböden, von unmenschlichen Verhältnissen in den Lagern. Beweise für all das gibt es nicht. Sicherlich haben die Männer einiges Schlimmes erlebt. Doch es ist auch hier wieder eine Frage von Prioritäten und Verhältnissen. Auch ohne Satellitenfernsehen braucht man nicht allzu lange durch die TV-Kanäle zu zappen, um seriöse Afrika-Dokumentationen zu finden, die einem das Blut gefrieren lassen: Über Waisenkinder des ruandischen Völkermords. Über todgeweihte Hepatitiskranke, die in den Lagern des Tschad oder im Südsudan krepieren. Über kriegsverkrüppelte, unterernährte Kindersoldaten in Sierra Leone. Über junge HIV-positive sterbenskranke Mütter, die ihre von Fliegenlarven übersäte Neugeborene weinend in den Armen halten. Über Kriegsflüchtlinge in Darfur oder Hungeropfer. Das Elend dieses Kontinents ist grenzenlos. Niemand bestreitet dies ernsthaft.
Doch von diesen menschlichen Abgründen sieht man hier, unter der Sonne der Großen Syrte, rein gar nichts. Sie vollziehen sich weitab vom Gutmenschen-Radar all der Reschkes, Racketes, ihrer Zuschauer und Spendenhelfer. Die „Geretteten“, die hier von Carola Racketes Humanpiraten-Bande - zur verklärt-gefühlvollen Stimme der kommentierenden „Panorama“-Sprecherin - an Bord geholt und nun interviewt werden, sind allesamt und ausnahmslos junge, kräftige Männer, muskulös und offensichtlich gesund. Ihr Trauma muss folglich unsichtbar sein, und so haben sie Folter-Storys in petto, die so sonderbar unpräzise und untereinander so ähnlich bis gleichlautend anmuten, dass es wirkt, als hätten die Schlepperbarone sie diese auswendig lernen lassen. Gewiss; sie könnten wahr sein. Aber sie könnten ebenso vorgeschoben sein, um der „Flucht“ ein humanitäres Motiv zu geben. Solche Fragen freilich verbieten sich schon für eingefleischte „Panorama“-Fans. Es ist die mentale Hauruck- mit der Totschlagmethode kombiniert: Bei derartigen Opfergeschichten macht sich jeder schon zum Mittäter, der sie bloß kritisch hinterfragt.
Und Reschkes Abenteuerstory ist noch lange nicht zuende: Die Flüchtlinge liegen apathisch, scheinbar dehydriert an Deck, blicken auffallend synchron mit Leidensmiene ins Leere. Wie viele Takes es gebraucht hat, bis hier die richtigen Stimmungsbilder im Kasten waren? Wer weiß. Ein Dauerzustand kann die Situation jedenfalls nicht gewesen sein, denn wenig später sieht man sie schon wieder temperamentvoll und erregt mit der Besatzung diskutieren. Dann wird Carola Rackete eingeblendet, wie sie mit einem Mit-Aktivisten romantisch in der Abenddämmerung an der Reling hockt. Atmosphärische Bilder mit karibischem Flair fürs heimische Wohnzimmer der deutschen Betroffenheitsszene.
Die Reise neigt sich dem unweigerlichen Ende zu, und komischerweise wirken die Passagiere an „Tag 14 nach der Rettung“ (wie die „Dokumentation“ in kalendarischer Erzählweise einblendet) kein Deut geschwächter, mitgenommener oder körperlich irgendwie beeinträchtigter als bei ihrer Aufnahme. Von der medizinisch „kritischen Situation“, die Rackete angeblich „keine Minute“ mehr gelassen habe und die sie später als Grund für ihre verbotswidrige Rambo-Hafeneinfahrt auf Lampedusa anführen wird, ist hier - trotz aller dramaturgischen Bemühungen der TV-Teams - nicht das Geringste zu erkennen,
Am Ende dann sieht man rührselige Abschiedsszenen, ehe Rackete ihren perfekt in Szene gesetzten Kreuzgang antritt – entlang der Seitentreppe, direkt in die Arme der am Anlegesteg martialisch wartenden Carabinieri, die sie im Scheinwerferlicht in Empfang nehmen und ihr Handschellen anlegen. Subtext des Gezeigten: Ein himmelschreiendes Unrecht vollzieht sich da, die Schande Europas. Bis zum letzten Frame des Films muss sich Carola Rackete nicht eine einzige kritische Frage gefallen lassen; nichts darf ihren Heiligenschein trüben in „Panorama“, dieser Polit-Muppetshow.
Die hier am Werk sind – das Kamerateam auf der Sea-Watch bis in die Redaktionsstuben von „Panorama“ - sind keine Journalisten. Es sind als Reporter und Redaktionsleiter getarnte Aktivisten. Sie sind das, was man früher PR-Kader oder „Verbindungsoffiziere“ genannt hätte. Sie sind unverhohlene Vorklatscher der Seenotrettungs-NGO's, im Resultat nichts anderes als Nützlinge des Schleppergeschäfts im Kampf für eigene Reichweite und die passenden Bilder. Interessant wäre zu erfahren, wie im Vorfeld der Kontakt zwischen Sea-Watch und der ARD konkret zustande kam, von wem hier die Initiative ausging. Wie auch immer, hier trafen jedenfalls Gleichgesinnte aufeinander: Öffentlich-rechtliche Reporter als Handlanger von Schleppern, die deren schädliche Sogwirkung multiplizieren helfen. Nichts ist in diesem Deutschland mehr unmöglich. Dazu passt auch hervorragend, dass die Dokumentation just zu einem Zeitpunkt ausgestrahlt wurde, da Carola Rackete ihre neugewonnene fragwürdige Popularität nutzt, um einen juristischen Feldzug gegen Italiens Innenminister Matteo Salvini zu führen – ein Schelm, wer Arges dabei denkt.
Es muss nun dringend aufgeklärt werden, wie diese „Reportage“ zustande kam. Was wusste „Panorama“ vorab? Wurden die „zu rettenden“ Flüchtlinge womöglich extra für die Reportage aufs Meer gebracht? Wieso kam erst jetzt ans Licht, dass ein deutsches Fernsehteam – sogar des deutschen Staatsfernsehens – mit an Bord war? Wieso berichtet „Panorama“ mit keinem Wort darüber, dass sehr wohl mehrere sichere Häfen in Tunesien und Libyen hätten angelaufen werden können, dies jedoch vorsätzlich abgelehnt wurde? Und inwieweit war die Brüskierung Salvinis von vornherein einkalkuliert? All diese Fragen harren einer sofortigen Untersuchung. Nicht nur der Rundfunkrat, auch der deutsche Presserat muss hier augenblicklich tätig werden.
Was sagte „Panorama“-Reschke vorgestern über ihren Film: „Man sollte sich das ansehen, wenn man mitreden will!“ Wohl wahr. Vor allem, wenn man mitreden will darüber, was diese Form von Indoktrination noch mit dem angeblichen „Informationsauftrag“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu tun hat."
Es handelt sich quasi um eine Kritik einer TV-Sendung, bei der es für sehr wahrscheinlich gehalten wird, dass sie nicht ganz zufällig entstanden ist.
"Die Webseite „Journalistenwatch“ spekuliert, die Rettungsaktion der „Sea-Watch 3“ sei inszeniert gewesen. Geteilt wurde der Artikel unter anderem vom ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten – obwohl es keine Belege dafür gibt. Stattdessen sprechen zahlreiche Indizien für die Darstellungen von Sea-Watch und Panorama."